OTTO BRUMLIK
JG. 1885
FLUCHT 1938 PRAG
DEPORTIERT 1942
THERESIENSTADT
1943 AUSCHWITZ
ERMORDET
ELISABETH BRUMLIK
GEB. OBERNAUER
JG. 1893
FLUCHT 1938 PRAG
DEPORTIERT 1942 THERESIENSTADT
1943 AUSCHWITZ
ERMORDET
FRITZ BRUMLIK
JG. 1922
FLUCHT 1938 PRAG
DEPORTIERT 1942
THERESIENSTADT
1943 AUSCHWITZ
ERMORDET
Familie Brumlik
Otto Brumlik wurde am 5. Juli 1887 im böhmischen Launiowitz (Louňovice pod Blaníkem) bei Prag geboren. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wanderte er nach Deutschland ein, um sich dort eine neue Existenz aufzubauen. Seine Schwester Paula wohnte mit ihrem Mann Alois Polatschek bereits um 1900 in Ulm, schon 1910 besaßen sie ein Wohn- und Geschäftshaus in zentraler Lage. Während des Ersten Weltkrieges entstand hier eines der größten und modernsten Schuhhäuser der Stadt. So war es naheliegend, dass ihr Bruder Otto nach Ulm zog. Er wohnte seit 1919 in dem 2. Stock des großen Hauses am Östlichen Münsterplatz 23 und wurde Teilhaber des Schuhgeschäfts. Otto schied 1922 aus der Teilhaberschaft, wohnte aber weiter an der gleichen Adresse, während er am Aufbau einer eigenen Schuhgroßhandlung mit Sitz in der Hirschstraße 12 arbeitete. Der wirtschaftliche Erfolg ermöglichte der Familie dann den Umzug in das repräsentative Mietshaus in der Wagnerstraße 5.

Otto Brumlik heiratete 1921, schon zwei Jahre nach seiner Ankunft in Ulm, Elisabeth Obernauer aus Laupheim, die einer angesehenen jüdischen Familie entstammte. Ihre Schwester Frieda, verheiratet mit dem ebenfalls aus Laupheim stammenden Viehhändler Isak Adler, wohnte mit ihrem Mann bereits seit 1913 in Ulm. Elisabeth integrierte sich schnell und engagierte sich im religiösen und kulturellen Leben der Ulmer jüdischen Gemeinde, u.a. wirkte sie im „Israelitischen Frauenverein“ mit. Sie war auch Mitglied des im Jahr 1933 gegründeten „Jüdischen Kulturbunds“, einer Selbsthilfeorganisation für vom Berufsverbot betroffene jüdische Künstler, die auch kulturelle Veranstaltungen durchführte.

Am 30. Juli 1922 wurde der Sohn Fritz Brumlik geboren. Er besuchte das damalige Realgymnasium, das heutige Schubart-Gymnasium Ulm. Fritz engagierte sich in Jugendorganisationen der jüdischen Erneuerungsbewegung, die unter anderem von Martin Buber inspiriert waren. Er war Mitglied im Werkleutebund und in der jüdischen Sportgruppe „Schild“, die beide religiöse Besinnung mit Gemeinschaft und körperlicher Ertüchtigung verbanden.
Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 verschärfte sich die Lage für die Familie zunehmend. Wirtschaftliche Boykotte, Entrechtung und gesellschaftliche Ausgrenzung zerstörten Schritt für Schritt ihre Existenzgrundlage. Fritz besuchte, nachdem ihm wie allen jüdischen Schülerinnen und Schülern 1935 der Besuch des Gymnasiums verboten wurde, das jüdische Landschulheim in Herrlingen. Auch diese Schule war, wie die Jugendgruppen, in denen er aktiv war, von den Gedanken Martin Bubers geprägt.
Unter dem wachsenden Druck entschloss sich die Familie im Mai 1938 zur Flucht nach Prag. Otto verfügte noch über die tschechoslowakische Staatsangehörigkeit, was die Rückkehr in seine frühere Heimat zunächst ermöglichte. Dort gab es zu dieser Zeit eine sehr große Gemeinschaft deutschsprachiger jüdischer Flüchtlinge, und auch die Prager Juden konnten in der Regel Deutsch. Dies dürfte die Situation für Elisabeth und Fritz, die vermutlich kein Tschechisch sprachen, erleichtert haben. Fritz arbeitete in dieser Zeit als Schlosser, hierzu hatte er vermutlich Grundlagen im Landschulheim Herrlingen erworben, das – zur Vorbereitung einer möglichen Auswanderung – unter anderem Unterricht in den Fächern Buchbinderei, Schreinerei, Schlosserei, Gartenbau, und für die Mädchen Hauswirtschaft anbot. Für seinen Vater Otto bedeutete das Exil jedoch einen beruflichen Abstieg, er fand nur ein Auskommen als „Arbeiter“, so ist es in den Listen bei seiner späteren Ankunft in Ausschwitz vermerkt.
Auch in Prag war die Familie bald nicht mehr sicher. Nach der deutschen Besetzung Böhmens und Mährens im Herbst 1938 und der Besetzung Tschechiens in Februar 1939 gerieten sie kurz darauf erneut in den Machtbereich des nationalsozialistischen Regimes. Am 20. November 1942 wurden Otto, Elisabeth und Fritz nach Theresienstadt deportiert. Am 20. Januar 1943 folgte die weitere Deportation mit dem Transport „Cc.“ nach Auschwitz, wo alle drei ermordet wurden.
Autor*in(nen): Martin König

